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Sophie Christmann, Weingut A.C Christman – Fotografiert von Fabian Pellegrini
#Cheerswith... 13.05.2020

Cheerswith Sophie Christmann

#Cheerswith... 13.05.2020
Fabian Pellegrini
cheerswith.me-Team

Im idyllischen Gimmeldingen sitzt einer der Vorzeigebetriebe der Pfalz, oder gar Deutschlands: Das Weingut A. Christmann. Geleitet durch das Vater-Tochter-Gespann Steffen und Sophie Christmann, ist das Weingut weltweit bekannt für seine Rieslinge aus besten Lagen, wie beispielsweise dem VDP.Großen Gewächsen Königsbacher IDIG oder Gimmeldinger Meerspinne.

 

Doch auf dem Erfolg der vergangenen Jahrzehnte wird sich nicht ausgeruht. Ganz im Gegenteil! Sophie hat viel von der Mentalität und Philosophie ihres Vaters übernommen und geht gemeinsam mit ihm neue Wege: Neben der Reaktivierung und Rekultivierung der Lage Vogelsang in Neustadt an der Weinstraße, hat Sie in den vergangenen Jahren vermehrt dem Spätburgunder ihre Aufmerksamkeit geschenkt und die Qualitäten nochmal auf ein höheres Level gehoben. Auch wenn die aktuellen Jahrgänge, die im Verkauf stehen, noch viel zu jung sind und auf ihre Trinkreife warten, muss man die Rotweine schon heute in der oberen Liga à la Huber, Knipser Keller, Becker und Co. einordnen!

Damit aber nicht genug, denn aktuell steht schon ein neues Projekt mit Mathieu Kauffmann (ehemaliger Kellermeister bei Reichsrat von Buhl und Chef du Cave von Champagne Bollinger) in den Startlöchern. Das Sektgut Christmann & Kauffmann hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren mit den biodynamisch an- und ausgebauten Sekten den prickelnden Markt aufzumischen. Auf den Erfolg dieses Vorhabens zu wetten, wäre aktuell wohl die sicherste Geldanlage. 

Doch neben all den Pionier-Geschichten interessiert uns vor allem, wer Sophie Christmann persönlich eigentlich ist und wie sie den zukünftigen Weinmarkt sieht!

 

Fabian:
Hallo Sophie! Wie geht es dir aktuell?

Sophie:
Gut, wir sind alle wohlauf und hatten im Frühjahr noch nie so viel Zeit, uns mit unseren Weinbergen zu beschäftigen. Deshalb war ich den letzten Wochen auch vor allem im Feld unterwegs.

Wenn die Sorgen darüber nicht wären, wie stark unser Absatz getroffen wird – vor allem durch die harten Einschnitte für unsere Partner in der Gastronomie – könnte man die Zeit ganz unbeschwert genießen.

Fabian:
Wer wäre denn dein perfekter Dinner-Gast?

Sophie:
Im Moment würde ich mich über praktisch jeden Menschen freuen. Gerade als Pfälzerin fehlt mir die gewohnte Geselligkeit und die Feierabend-Schorle mit Freunden schon sehr!

 

Fabian:
Erwartest du einen Wandel des Konsumverhaltens nach der Krise?

Sophie:
Ich denke die Corona Krise beschleunigt einen Wandel, der sowieso schon im Gang war. Alles wird zunehmend Digitaler und im Großhandel eingekauft. Ich finde es aber wirklich wichtig, dabei die kleinen Läden nicht zu vergessen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie einfallsreich und kreativ kleine Weinhändler und Restaurants sich der Krise stellen und es freut uns sehr, dass viele Kunden versuchen diese zu unterstützen.

 

Fabian:
Wein – analoge oder digitale Vermarktung? Die Weinbranche ist ja bekannt dafür, dass man sich mit Innovationen sehr viel Zeit lässt. Wird es je einen Switch geben?

Sophie:
Die Digitale Kommunikation spielt im Wein schon eine große Rolle. Es macht ja auch viel Spaß Interessierte aus Deutschland und der ganzen Welt auf Instagram und Facebook mit in den Weinberg und den Keller zu nehmen.

Im Moment erleben wir, wie auch das gemeinsame Verkosten digital möglich wird. Das Erlebnis, uns im Weingut zu besuchen, wird das allerdings nicht ersetzen können. Genausowenig die großen Weinmessen. Trotzdem glaube ich, dass sich das gemeinsame Online-Probieren in manchen Bereichen durchsetzt. Gerade aus ökologischen Gründen veranstalte ich ein Tasting für das Team unseres amerikanischen Importeurs lieber live im Internet, als einmal auf die andere Seite der Welt zu fliegen.

 

Fabian:
Mit welchem Satz überzeugst du Leute, die noch nie deine Weine probiert haben?

Sophie:
Ich denke ein Schluck Wein macht das noch besser als ein Satz von mir. Die Weine sollen ganz alleine für sich sprechen.

 

Fabian:
Und von was erzählen deine Weine?

Sophie:
Unsere Weine erzählen von den Hügeln der Haardt, aber auch von der Geschichte unserer Familie seit 1789. Wir sind ein richtiger Familienbetrieb und mischen in jedem Produktionsschritt mit. Das Weinmachen findet für uns vor allem im Weinberg statt. Sorgfältige Handarbeit und Biodynamie sind die Grundlagen für beste Trauben. Danach beginnt eigentlich das kontrollierte Nichtstun. Schonende Pressung, Spontangärung und lange Zeit auf der Hefe vor der Füllung: so entstehen Weine, die vor allem die Geschichte ihrer Herkunft erzählen.

Im Moment erleben wir, wie auch das gemeinsame Verkosten digital möglich wird. Das Erlebnis, uns im Weingut zu besuchen, wird das allerdings nicht ersetzen können. Genausowenig die großen Weinmessen. Trotzdem glaube ich, dass sich das gemeinsame Online-Probieren in manchen Bereichen durchsetzt. Gerade aus ökologischen Gründen veranstalte ich ein Tasting für das Team unseres amerikanischen Importeurs lieber live im Internet, als einmal auf die andere Seite der Welt zu fliegen.

Sophie Christmann

Fabian:
Woher kommt deine Liebe zu Spätburgunder, wo du ja sehr Riesling-lastig aufgezogen wurdest? 

Sophie:
Ich bin vor allem mit der Philosophie groß geworden, sich nur auf das zu konzentrieren, was man am besten kann. Das sind für uns ganz eindeutig Riesling und Spätburgunder, die auch beide schon lange ihren festen Platz im Weingut haben. Die Pfalz verknüpft man ja immer vor allem mit Riesling, aber auch der Spätburgunder wurde von Zisterziensern schon vor mehreren hundert Jahren in den Königsbacher Idig gebracht. So neu ist das also gar nicht! 

An Spätburgunder fasziniert mich sehr, dass er dem Riesling so ähnlich ist. Das ist vielleicht kein ganz üblicher Vergleich, aber ich finde, dass ein wirklich großer Wein bei diesen Sorten nie mit Fülle und Wucht, sondern immer mit Finesse und druckvoller Eleganz beeindruckt. Dies beim Spätburgunder genauso präzise herauszuarbeiten, wie ich das hier vom Riesling gewohnt bin, ist die große Herausforderung.

In dem Bereich neue Idee umzusetzen macht uns großen Spaß. Ich kann immer noch nicht ganz glauben, dass der erste Jahrgang so eingeschlagen ist. Das bestätigt uns noch mehr darin, den Weg konsequent weiter zu gehen. Wir stehen hier noch ganz am Anfang und haben noch viel vor.

 

Fabian:
Und wie passt da auf einmal Sekt rein?

Sophie:
Tja, manchmal schreibt das Leben Geschichten, die man selbst kaum glauben kann. Als wir im Sommer 2019 plötzlich vor der Gelegenheit standen, 12 ha Weinberge in Top Gimmeldinger Lagen zu übernehmen und gleichzeitig klar war, dass Mathieu Kauffmann und das Weingut Reichsrat von Buhl getrennte Wege gehen würden, entstand aus einem Spaß die Idee für dieses Projekt. So hat sich der Sekt einen Platz in unserem Leben gesucht.

Wir freuen uns schon riesig auf die Herausforderung, zusammen mit Mathieu, hier in Gimmeldingen, auf biodynamische Weise mit handwerklichen Methoden großen Sekt zu machen. Im Moment gären die allerersten Sekte aus dem Jahrgang 2019. Leider nur wenige Flaschen. Ich kann es kaum erwarten, die ersten Ergebnisse zu probieren.

 

Fabian:
Kommen wir mal zu dir persönlich: Welches Thema, neben Wein, interessiert dich am meisten?

Sophie:
Wein ist schon das wichtigste Thema in meinem Leben. Und wenn man da richtig drin ist, bleibt auch nicht viel Zeit für anderes. Aber Wein ist für uns ja auch viel mehr als ein Job. Zum Glück sind viele spannende Bereiche damit verknüpft, also habe ich das nie als Langweilig empfunden. Aber für ein gutes Essen, ob selbstgekocht oder im Restaurant, bin ich immer zu begeistern. 

 

Fabian:
Diesen Film muss man geschaut haben!

Sophie:
Die Netflix Dokumentation American Factory hat mich sehr beeindruckt. Spannend zu sehen, was passiert, wenn völlig unterschiedliche Kulturen plötzlich zusammenarbeiten sollen.

 

Fabian:
Was ist dein geheimes Talent?

Sophie:
Wenn ich das hier verrate, wäre es dann noch geheim?

Fabian:
Der Punkt geht an dich! 😉 

 

Fabian:
Welchen Wein würdest du an einem sonnigen Tag für ein Picknick einpacken?

Sophie:
Das kommt ganz auf die aktuelle Laune an. Im Moment probieren wir uns besonders intensiv durch die Champagne. Wäre es vermessen einen Fidèle von Vouette&Sorbée beim Picknick zu trinken?

 

Fabian:
Welcher Wein erweckt bei dir Frühlingsgefühle?

Sophie:
Unser Gutsriesling aus dem neuen Jahrgang. Auch wenn das Abfüllen nicht die schönste Arbeit im Weinjahr ist, ist es doch immer toll, damit den letzten Schritt der Weinbereitung zu machen. Deshalb ist ein Glas knackig, frischer Riesling für mich auf jeden Fall mit dem Frühling verbunden.

 

 

Cheerswith.me ist die Initiative für die Weinbranche in Zeiten der Corona-Krise. Initiatoren: Oliver Semik (www.yummystories.de), Fabian Pellegrini (www.fabianpellegrini.com), Jonas Marckert und Joshua Keck (www.dorfjungs.com).

 

Wir laden alle Weinfreunde, Winzer, Sommeliers, Weinhändler und Weinverrückten dazu ein, der Weinwelt wieder Leben einzuhauchen und tolle Online-Weinproben per Videokonferenz oder Livestream zu veranstalten.

 

Macht mit und sagt es weiter!

Fabian Pellegrini
cheerswith.me-Team

Eine Initiative von Oliver Semik (Yummy Stories), Fabian Pellegrini (www.fabianpellegrini.com), Joshua Keck und Jonas Marckert (Dorfjungs.).

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